APG Workshop „Zielführendes Moderieren“ mit Marian Keikavoussi

„Ein Workshop ist vergleichbar mit einem Kochabend unter Freunden. Jeder Teilnehmer bringt verschiedene Zutaten mit, die zusammen ein gelungenes Gericht ergeben. Die am Workshop-Tag angewandten Methodiken symbolisieren Pfeffer, Salz und Oregano. Der Moderator als Koch muss wissen, wann er diese dazu gibt, um dem Gericht die richtige Würze zu verleihen.“ – mit dieser Analogie begrüßte uns Marian Keikavoussi – Moderatorin und Trainerin mit langjähriger Erfahrung – zum APG Workshop „Zielführendes Moderieren“.

Welche neuen Impulse sammeln Teilnehmer beim APG Moderationsworkshop mit Marian? Welche Erkenntnisse nehmen sie mit nach Hause? Hier ein kurzer Überblick …

Von Jana Peuster

 

Vorbereitung und Durchführung mittels TZI-Modell

Der Moderator ist für das Gelingen des Workshops verantwortlich. Dabei hilft das Modell der themenzentrischen Interaktionen (TZI-Modell) ihm als eine Art Erfolgsrezept. Es stellt die drei Faktoren ICH, WIR und THEMA in ein Spannungsdreieck, eingebettet in einen vierten Faktor GLOBE. ICH steht für die individuellen Bedürfnisse der Teilnehmer, WIR für die Dynamik innerhalb der Gruppe, THEMA für die Themenstellung bzw. Zielstellung des Workshops und GLOBE für das Umfeld der Durchführung.

Ein harmonischer Kochabend bzw. Workshop-Tag hängt von der Balance dieser Faktoren ab. Alle vier müssen vom Moderator einzeln, aber auch im Verhältnis zueinander berücksichtigt werden, um Störungen während der Durchführung des Workshops zu vermeiden. Zum Beispiel entsteht zwischen dem WIR und dem THEMA eine Störung, welche den Erfolg des Workshops gefährdet, wenn nicht alle notwendigen Informationen zur Bearbeitung der Thematik vom Moderator an die Teilnehmer geliefert werden und die Teilnehmer somit unterschiedliche Zielvorstellungen bzw. Erwartungen an den Workshop entwickeln.

Die Rolle des Moderators

Wie wird ein gemeinsamer Kochabend unter Freunden zum perfekten Dinner? Die Atmosphäre ist entscheidend, welche maßgeblich von der Rolle bzw. dem Verhalten des Moderators am Workshop-Tag bestimmt wird. Der vom Moderator gewählte Einstieg in den Tag verortet die Stimmung unter den Teilnehmern für den weiteren Verlauf. Beispielsweise kann eine offene, lockere Atmosphäre zu Beginn durch Tools wie die soziometrische Aufstellung etabliert werden.

Um die erzeugte Energie aufrechtzuerhalten, sollte der Moderator dauerhaft eine neutrale Position gegenüber den Teilnehmern einnehmen – sowohl in seiner Ausdrucksweise als auch in seiner Körpersprache. Des Weiteren gibt eine wortwörtliche Aufnahme ihrer Stimmen ihnen das Gefühl gleichermaßen wahr als auch ernst genommen zu werden. Jeder Teilnehmer hat individuelle Wesenszüge, die es gilt zu beachten. Beispielsweise können schüchterne Teilnehmer in Diskussionen aktiv eingebunden werden, indem sie vom Moderator angesprochen und geführt werden.

Auch eine schlechte Vorbereitung bzw. Einführung in die Thematik kann Auswirkungen auf die Atmosphäre des Workshop-Tages haben. Beispielhaft erlernten wir dies während des Workshops mit Marian in einem Rollenspiel zur Einführung von Homeoffice mit eigenem Moderator sowie Pro- und Contra-Teilnehmern. Eine lebendige Diskussion startete zu Beginn des Rollenspiels, aber eine unklare Definition des Themas bzw. der Zielstellung seitens des Moderators führte dazu, dass keine gemeinsame Erarbeitung der Thematik stattfinden konnte und eine aggressive Grundstimmung entstand. Der Moderator muss von Beginn an klarstellen, welcher Arbeitsauftrag seitens der Teilnehmer erwartet wird, um negative Energien zu vermeiden.

Die vier Phasen der Gruppendynamik

Zusammen kochen kann nur gelingen, wenn die Gruppe vier Phasen durchläuft – Forming, Storming, Norming und Performing.

Dabei hat der Moderator entscheidenden Einfluss auf die Geschwindigkeiten dieser Phasen.

Forming beschreibt die Einstiegs- und Findungsphase. Die Teilnehmer eines Workshops lernen sich kennen und sichern ihre Zugehörigkeit zur Gruppe ab. Die Beziehungen bzw. Rollen innerhalb der Gruppe sind noch unklar. Die Aufgabe des Moderators liegt darin alle Teilnehmer willkommen zu heißen und gleich zu behandeln. Er muss ihnen Orientierung liefern, da sie insbesondere in dieser Phase sich den Moderator als Vorbild nehmen.

Danach betritt die Gruppe die Phase Storming – die Auseinandersetzung und Streitphase. Erste Spannungen sowie Machtkämpfe um die Führung entstehen. Oft gegensätzliche Positionen müssen vom Moderator wertgeschätzt und auf einen gemeinsamen Nenner harmonisiert werden. Diese Phase benötigt Raum, um Konflikte offen anzusprechen und auf konstruktiver Basis auszutragen.

Als nächstes erfolgt die Phase Norming – die Regelungs- und Übereinkommensphase. Die Teilnehmer haben ihre Rollen sowie Arbeitsnormen gefunden. Es herrscht gegenseitige Akzeptanz. Was kann der Moderator in dieser Phase tun? Impulse setzen sowie stärken und loben – d.h. einfach laufen lassen.

Zum Schluss erreicht die Gruppe die Phase Performing – die Arbeits- und Leistungsphase. Die Gruppe handelt geschlossen und erarbeitet zielstrebig das Thema. In dieser Phase muss der Moderator über den Tellerrand hinausblicken. Die Energie der Gruppe muss in die Nach-Workshop-Zeit kanalisiert werden, so dass die erarbeiten Ergebnisse sich zukünftig im Unternehmen bzw. Arbeitsalltag etablieren.

Umgang mit Störern

Was macht man als Koch, wenn ein Gast sich doch als Störenfried herausstellt? Sechs verschiedene Arten von Störsituationen existieren, die jeweils eine andere Reaktion seitens des Moderators erfordern.

  • Zurückhaltung und Schweigsamkeit: Blickkontakt suchen, nachfragen und motivieren
  • Dominierendes Verhalten: in der Gruppe ansprechen – würdevoll, niemals erzieherisch
  • Monologisieren, überlange Beiträge: zu Beginn Verhaltensregeln einführen („kurz und knapp“) und darauf verweisen
  • Aggressives Verhalten: entstandene Dynamik in der Gruppe transparent mache, Auslöser identifizieren und beseitigen
  • Nörgeln, dauerndes Kritisieren, „Killerphrasen“:  auf Thematik bzw. Zielstellung verweisen, zur Beseitigung entsprechende Methodiken nutzen
  • Persönliche Angriffe und Abwertungen: nicht persönlich nehmen, selber reflektieren, ob wirklich ausgelöst

Fazit

Wie ist meine persönliche Rezession des „gemeinsamen Kochabends“ mit Marian Keikavoussi? Was sind die besonderen Zutaten und Gewürze, die diesen Workshop unvergesslich machen? Drei Aspekte formen dabei das Alleinstellungmerkmals des APG Moderationsworkshops:

  • Marien Keikavoussi als Moderatorin: Ab der ersten Minute des Workshops vermittelte Marien eine einladende, offene Atmosphäre, die jeden Teilnehmer motiviert sich aktiv einzubringen unabhängig von seinem individuellen Kenntnisstand. Darüberhinaus verfügt Marian über eine beeindruckende Expertise, die bei jedem Detail des Workshop-Tages spürbar war.
  • Austausch mit Gleichgesinnten: Insbesondere der Erfahrungs-Austausch mit Gleichgesinnten machte den Workshop-Tag für mich als „Moderator-Neuling“ lohnenswert. Die Erfahrungen der anderen Teilnehmer bzw. von Marian gaben mir Sicherheit für zukünftige Workshops. Während des Workshop-Verlaufs festigte sich das beruhigende Gefühl, dass auch Moderatoren mit 20 Jahren Erfahrung auf ähnliche Probleme in ihrem Workshop-Alltag stoßen wie ich.
  • Ganzheitlich neue Impulse: Nach acht Stunden gemeinsamen Kochens war mein Methodenkoffer mit neuen Gewürzen prall gefüllt. Von der Vorbereitung bis zur Durchführung vermittelte Marien hilfreiche Methoden für den erfolgreichen Workshop. Insbesondere vier Anweisungen für ein gelungenes Gericht blieben mir in Erinnerung: „Betroffene zu Beteiligte machen“, „Widerstand ist Power“, „was braucht die Gruppe jetzt und weniger was habe ich geplant“ sowie „nutze das, was in der Gruppe überraschend entsteht“.

 

Vielen Dank an Jana Peuster für die Dokumentation.

 

Impressionen